
Ansatz färben: Alles was du wissen musst
Viel zu schnell ist er wieder da, der verräterische Balken längs des Scheitels. Doch egal ob der herausgewachsene Ansatz deine Naturhaarfarbe oder graue Haare preisgibt – du kannst ihn ganz einfach zuhause nachfärben. Wie das geht, worauf es ankommt, und welche Produkte du zum Ansatz färben brauchst, erfährst du hier.
Informationen geprüft in Kooperation mit Friseur und Hairstylist Björn Hartung aus Düsseldorf.
Inhalte im Überblick
Ansatz selber färben: Step-by-Step-Anleitung
Hast du die perfekte Farbe gefunden, um deinen Ansätzen einen frischen Anstrich zu verleihen, solltest du sie zunächst an einer versteckten Hautstelle testen, um zu sehen, ob du die Formulierung verträgst. Treten innerhalb von 24 Stunden keine Irritationen auf, kannst du die Farbe bedenkenlos verwenden und es kann mit der Vorbereitung losgehen. Folgende Dinge solltest du für deine Färbe-Session bereit legen:
ein altes Shirt, einen Friseurumhang oder ein altes Handtuch
Einweghandschuhe
Stielkamm
Haarklammern aus Kunststoff
Haarfärbemittel
Vaseline
Unser Färbe-Fahrplan verrät dir nun Schritt für Schritt, wie du deinen Ansatz selber färben kannst. Es spielt dabei keine Rolle, ob du eine Coloration, Tönung oder Intensivtönung verwendest – das Prozedere ist dabei nahezu immer das gleiche. Halte dich jeweils genau an die Packungsbeilage.
1. Schützen: Ziehe ein ausrangiertes Oberteil an oder lege dir einen Friseurumhang um. Denn das Haarfärbemittel kann tropfen und permanente Flecken verursachen. Hast du beides nicht zur Hand, kannst du dir auch ein altes Handtuch um die Schultern legen.
2. Haare abteilen: Bevor du mit dem Färben beginnst, solltest du deine Haare gut durchkämmen und sicherstellen, dass sie trocken sind. Am besten sind sie ein bis zwei Tage nicht gewaschen, damit keine Rückstände von Stylingprodukten wie Haarspray oder Haarpuder vorhanden sind, die das Eindringen der Farbe behindern könnten.
Gleichzeitig bleibt so die natürliche Talgschicht der Kopfhaut erhalten, die vor Irritationen und allergischen Reaktionen schützen kann. Frisch gewaschene Haare wären zwar völlig sauber, jedoch ist dann auch der schützende Säureschutzmantel der Kopfhaut entfernt, was die Haut empfindlicher macht und dazu führen kann, dass Farbrückstände schlechter abgehen.
Ziehe anschließend mit einem Stielkamm eine horizontale Linie von Ohr zu Ohr und stecke die obere Haarpartie am Oberkopf fest. Die unteren Haare bleiben offen, damit du die Farbe gleichmäßig und kontrolliert auftragen kannst.
Trage an der Stirn etwas Hautschutzcreme oder eine fettigere Körpercreme auf, um die Haut dort vor Farbflecken zu schützen. Achte dabei darauf, die Creme nicht in die Haare, sondern nur auf die Haut zu geben.
3. Farbe anmischen: Bereite die Farbe nach Gebrauchsanweisung des Herstellers zu und ziehe die Einmalhandschuhe an. Bei den meisten Haarfarben liegen sie der Packung bei.
4. Farbe auftragen: Trage die Farbe nun mit einem (mitgelieferten) Haarfärbe-Pinsel auf. Ziehe dazu in den offenen Haaren am Hinterkopf nacheinander mehrere horizontale Scheitel. Das geht meist besser, weil Du die Haare nach oben weghalten kannst, um die Scheitel zu ziehen. Vertikale Scheitel sind da durchaus herausfordernder und ungenauer. Färbe Partie nach Partie. Hier ist Millimeterarbeit gefragt: Trage die Farbe wenige Millimeter über die Grenze zu den bereits colorierten Haaren auf, damit keine neue Linie entsteht.
Ziehe die Farbe aber nicht weiter als nötig in die bereits gefärbten Längen, um diese nicht unnötig zu strapazieren. Das klappt am besten, wenn du die Haare straff vom Kopf weg ziehst, und die Farbe auf die gespannte Strähne aufpinselst. So vermeidest du Farbüberlagerungen, an denen die Farbe deine Haare mehr einfärben kann und so die Farbe stellenweise intensiver aussehen lässt.
Am Ende sollte die ganze Kopfhaut voller Farbe sein. Wenn du die untere Partie fertig hast, löst du die Haarklammern und arbeitest dich genauso Scheitel für Scheitel vertikal durch die Haare am Oberkopf.
Falls dir das alles zu tricky ist, kannst du auch eine*n Freund*in oder deine*n Parter*in um Hilfe bitten – gerade am Hinterkopf ist der präzise Farbauftrag manchmal schwieriger.
5. Farbe einwirken lassen: Hast du alle Ansätze mit Farbe bedeckt, beginnt die vom Hersteller angegebene Einwirkzeit. Halte dich hier bitte genau an die Angaben und stelle dir dazu am besten einen Timer.
In den letzten fünf Minuten der Einwirkzeit kannst du, wenn nötig, den Rest der Farbe auf alle Haare auftragen, um ein harmonisches Finish zu erzielen. Das solltest du aber wirklich nur bei äußerstem Bedarf tun, da die Farbmasse eine höhere Konzentration an chemischen Wirkstoffen enthält, als es die Längen eigentlich benötigen. Schonender und professioneller ist es, die Farbmasse am Ansatz mit etwas Wasser aufzuschäumen (aufemulgieren) und die so entstandene cremig-wässrige Emulsion in die Längen einzuarbeiten. Dadurch wird die chemische Konzentration durch das Wasser reduziert, und da die Einwirkzeit ohnehin fast abgeschlossen ist, ist ein Großteil der Farbstoffe bereits ausoxidiert.
Anschließend spülst du das Färbemittel gründlich mit lauwarmem, klarem Wasser aus.
6. Pflegen: Nach der Färbe-Action brauchen deine Haare eine Extraportion Pflege. Verwende dazu – falls vorhanden – das beiliegende Pflege-Fluid oder eine Kur oder Spülung aus einer entsprechenden Farbschutz-Pflegeserie.
Wie finde ich die richtige Haarfarbe, um meinen Ansatz zu färben
Ganz egal, ob du zum Haarefärben zuletzt bei deinem/deiner Friseur*in warst, oder ob du zu den passionierten DIY-Colorist*innen zählst – deinen Ansatz-Balken kannst du in jedem Fall selbst nachfärben.
Das A und O für einen harmonischen Übergang zwischen Ansatz und colorierten Haaren ist das Finden der richtigen Farbnuance und des richtigen Färbemittels. Beides sollte genau dem entsprechen, mit dem der Rest der Haare gefärbt wurde.
Generell hast du die Wahl zwischen Coloration, Tönung und Intensivtönung. Eine Coloration öffnet die Schuppenschicht der Haare und lagert die Pigmente im Haar dauerhaft an.
Sie kann deine Haare super dunkel färben, aber nur um zwei bis drei Nuancen aufhellen. Wenn du heller gehen möchtest, ist eine Blondierung nötig.
Eine Tönung kann nur dunkler färben, arbeitet dabei aber schonender als die Coloration. Denn sie öffnet die Schuppenschicht nicht und lagert die Pigmente stattdessen nur am Haar an. Die halten demnach auch nicht so lange im Haar und sind nach sechs bis acht Wochen wieder verschwunden.
Dann gibt es noch die Intensivtönung: Sie ist quasi der Kompromiss zwischen Coloration und Tönung, da sie die Schuppenschicht etwas öffnet und Pigmente eingelagert werden. Sie wäscht sich nach etwa 20 Wäschen wieder aus. Auch kann sie deinen Farbton nicht nur dunkler machen, sondern auch bis zu 1,5 Töne aufhellen.
Welches Färbemittel du letztendlich zum Färben deines Haaransatzes verwendest, hängt von der gewünschten Haarfarbe ab. Folgende Regeln können dir helfen, deine perfekte Ansatz-Farbe zu finden:
Falls die letzte Coloration ein*e Friseur*in vorgenommen hat, frag ihn/sie, welches Färbemittel er/sie verwendet hat.
Falls du deine Haare selbst gefärbt hast, benutzt du genau dieses Färbemittel auch für deinen Ansatz.
Bist du dir bei der Farbwahl unsicher, kannst du auch ein spezielles Ansatz-Set verwenden. Diese Formulierungen sind darauf ausgerichtet, einen harmonischen Übergang zwischen colorierten Haaren und neu gefärbtem Ansatz zu bringen.
Bei dunklen Naturhaaren, die du zwei bis drei Nuancen heller färben möchtest, ist eine Coloration sinnvoll. Denn sie hat die Power, die dunklen Pigmente aus den Haaren zu lösen.
Möchtest du den Ansatz deiner eher dunklen Haare um mehr als drei Nuancen aufhellen, ist eine Blondierung nötig. Bist du dir mit der Farbwahl unsicher, solltest du hier lieber einen Profi ranlassen.
Bei hellen Haaren, die du dunkler färben möchtest, kann eine Tönung ausreichen.
Möchtest du einen grauen Ansatz färben, gelten folgende Regeln: Bei wenigen grauen Haaren ist eine Intensivtönung ideal. Wachsen deine Haare komplett grau nach, ist eine Coloration die bessere Wahl. .
Wie oft sollte ich meinen Ansatz nachfärben?
Es kommt natürlich darauf an, wie schnell deine Haare wachsen, ob sie eher dünn oder dick sind, und ob du sie colorierst oder nur tönst.
Generell solltest du deinen Haaren vier bis sechs Wochen Färbe-Pause gönnen. Eine Tönung ist schonender für die Haare als eine Coloration und kann nach vier Wochen wiederholt werden.
Färbst du deine Haare sehr hell, solltest du auf jeden Fall acht Wochen mit dem Färben des Ansatzes warten. Das gilt auch dann, wenn deine Haare vom vielen Stylen total strapaziert oder super dünn sind.
Stresst dich dein nachwachsender Ansatz immer sehr schnell, es dann aber meist noch viel zu früh zum Nachfärben?
Dann probiere doch in der nächsten Wartezeit ein Farb-Glossing aus. Seine schonende Formulierung kann für ein paar Tage den Übergang zwischen Ansatz und colorierten Haaren sanft ausgleichen.
Es gibt aber noch viele weitere Tricks, um einen herausgewachsenen Ansatz zu kaschieren.

Unser Haircare Experte
Björn Hartung, Friseur und Hairstylist
Björn bringt über 25 Jahre Erfahrung in Cut, Color und Care mit. In seinem Düsseldorfer Salon „Stresemann“ stylt, färbt und schneidet er seit mehr als 17 Jahren. Er schenkt seinen Kund*innen nicht nur neue Looks, sondern auch ein neues Lebensgefühl. Haircare ist seine Leidenschaft: Was einst als klassisches Handwerk begann, wurde zu einer Berufung, die weit über Schere und Föhn hinausgeht. Neben seinem Beruf unterstützt er Menschen als Breathwork-Experte dabei, ihre innere Balance zu finden.











