Im Alltag nutzen wir diese Begriffe oft austauschbar und meinen damit oft das Gleiche. Dabei sind es tatsächlich zwei unterschiedliche Haarzustände, die jeweils eine etwas andere Herangehensweise benötigen.
Strohige Haare sind strukturell geschädigt und deutlich dehydriert. Sie fühlen sich rau, hart und trocken an, zeigen keinen Glanz und wirken matt. Das Haar lässt sich schwer kämmen, erscheint aufgeplustert und frizzig und bricht schneller, wobei die Spitzen ausfransen. Häufig nehmen solche Haare Pflegeprodukte nur oberflächlich auf oder absorbieren sie kurzfristig, ohne dass eine nachhaltige Stabilisierung erfolgt.
Fachlich betrachtet ist bei strohigem Haar die Schuppenschicht, die Cuticula, geöffnet oder beschädigt. Dadurch kann Feuchtigkeit nicht im Haarinneren gehalten werden. Zusätzlich fehlt häufig die natürliche Lipidschicht, die als Schutzbarriere fungiert. Wasser entweicht ungehindert aus der Faser, die innere Struktur verliert Elastizität und das Haar wird hart statt flexibel sowie trocken statt geschmeidig. Die haptische Wahrnehmung ähnelt deshalb Stroh.
Die Ursachen sind vielfältig. Eine häufige Ursache ist zu intensive oder unsachgemäße Blondierung. Überbleichen, zu hohe Entwicklerkonzentrationen im Bereich von neun bis zwölf Prozent, zu lange Einwirkzeiten oder wiederholte Blondierungen ohne ausreichende Regeneration führen zur Zerstörung von Keratinstrukturen und interzellulären Lipiden.
Auch thermische Belastung spielt eine zentrale Rolle. Glätteisen oder Lockenstäbe mit Temperaturen über 180 bis 200 Grad Celsius, Föhnen ohne Hitzeschutz sowie wiederholte Hitzeanwendung auf bereits vorgeschädigtem Haar denaturieren Proteine innerhalb der Faser. Die Proteinstruktur verhärtet, das Haar wird spröde und verliert seine Elastizität.
Austrocknende Inhaltsstoffe können die Problematik zusätzlich verstärken. Hohe Anteile von Alcohol Denat. oder Isopropyl Alcohol, aggressive Tiefenreinigungen mit Sulfaten sowie zu häufig eingesetzte klärende Shampoos entziehen dem Haar Feuchtigkeit und Schutzlipide.
Ein weiterer Faktor ist unzureichende Pflege nach chemischen Behandlungen. Fehlt ein Bond Repair System, werden keine sauren Conditioner eingesetzt oder bleiben Feuchtigkeits- und Lipidkomponenten aus, bleibt die Haarstruktur offen und instabil. Wird ausschließlich Conditioner verwendet, ohne regelmäßig tiefenwirksame Masken einzusetzen, erfolgt keine ausreichende strukturelle Regeneration.
Externe Umwelteinflüsse wie UV-Strahlung, Salz- und Chlorwasser verursachen oxidativen Stress. Ohne UV-Schutz trocknet das Haar durch Sonneneinstrahlung aus, Meerwasser entzieht Feuchtigkeit und Poolwasser kann die Schuppenschicht zusätzlich aufrauen.
Auch mechanische Belastung trägt wesentlich zur Entstehung strohiger Strukturen bei. Grobes Bürsten im nassen Zustand führt zu erhöhter Dehnung und Mikrorissen in der Faser. Starkes Rubbeln mit dem Handtuch verstärkt die Oberflächenschädigung. Enge Zöpfe oder Extensions ohne adäquate Pflege erzeugen dauerhafte Zugspannung, die strukturelle Schwächen begünstigt.
Ein wichtiger Unterschied besteht zwischen trockenem und strohigem Haar. Trockenes Haar weist primär einen Feuchtigkeitsmangel auf, der in vielen Fällen durch gezielte Pflege ausgleichbar ist. Strohiges Haar hingegen ist strukturell geschädigt, was eine tiefergehende Rekonstruktion erfordert.
Strohiges Haar benötigt daher eine Kombination aus Bond Rebuild zur Wiederherstellung geschwächter Bindungen, sauren pH-Werten zur Schließung der Cuticula, Lipiden zur Wiederherstellung der Schutzbarriere sowie intensiver Feuchtigkeitszufuhr. Zusätzlich ist eine Pause von Hitze- und chemischen Behandlungen erforderlich, um weitere Denaturierung und Lipidverluste zu vermeiden.
Ein einfacher Salontest kann Hinweise liefern. Wenn das Haar zwischen den Fingern knirscht, nach Pflege nur kurzzeitig weich wird und rasch wieder verhärtet oder eher reißt als sich elastisch zu dehnen, spricht dies für eine strohige Struktur mit strukturellem Schaden. In diesem Fall solltest du am Besten in das Studio deines Vertrauens gehen und dich umfassend von einem Profi beraten lassen.