
Kokosöl für die Haare
Kokosöl gilt seit Jahren als echter Geheimtipp in der natürlichen Haarpflege. Ob als tiefenwirksame Maske, zum Bändigen von Frizz oder zur Beruhigung trockener Kopfhaut, Kokosöl hat sich in vielen Badezimmern einen festen Platz erobert. Doch wie wirksam ist es wirklich? Und worauf sollte man bei der Anwendung achten?
Informationen geprüft und erstellt in Kooperation mit Friseur und Hairstylist Björn Hartung aus Düsseldorf.
Kurz & Knapp
Das Kokosnussöl sollte nativ und kaltgepresst sein.
Besonders wirksam bei trockenem, dickem oder lockigem Haar.
Wirkung hängt stark vom individuellen Haartyp ab.
Bei feinem oder schnell fettendem Haar kann Kokosöl beschweren, schlecht auswaschbar sein und Hautirritationen verursachen.
Wer reines Öl meiden möchte, findet leichtere Alternativen wie Leave-in-Sprays oder silikonfreie Pflege mit Kokosextrakten.

Kokosnussöl für Haare – Natürlich gepflegt oder überschätzt?
Kokosöl wird aus dem Fruchtfleisch der Kokosnuss gewonnen. Dabei gibt es zwei Hauptverfahren: die kaltgepresste, native Variante und die raffinierte Herstellung. Für hochwertiges, natives Kokosöl wird das frische Kokosfleisch schonend gepresst, ohne Hitzeeinwirkung, wodurch besonders viele Nährstoffe erhalten bleiben. Diese Variante wird bevorzugt für kosmetische Zwecke genutzt, da sie reich an Laurinsäure, Vitaminen und Antioxidantien ist. Raffiniertes Kokosöl hingegen wird aus getrocknetem Kokosfleisch extrahiert und anschließend gebleicht und parfümiert. Dadurch ist es zwar länger haltbar, verliert jedoch einen Teil seiner natürlichen Wirkstoffe. Bei Raumtemperatur wird Kokosöl wieder fest, darum nennt man es auch manchmal Kokosfett. Zerreibst du etwas zwischen deinen Händen, wird es im Nu flüssig und du kannst es auf deine Haare auftragen.
Auch die Kosmetikbranche weiß die Benefits des Kokosöls zu schätzen, es findet sich sowohl in reiner Form als auch als Bestandteil verschiedener Formulierungen in Haarprodukten wie Haarmasken- und Kuren, Shampoos und Conditioner. Dabei wird es häufig mit weiteren pflegenden Inhaltsstoffen kombiniert – etwa mit pflanzlichen Proteinen, Panthenol oder Aloe Vera, um bestimmte Effekte wie mehr Feuchtigkeit oder Glanz zu erzielen. Auch Derivate des Kokosöls, wie Coco-Caprylate, Cocamidopropyl Betaine oder Coconut Alcohol, finden Verwendung in modernen Haarpflegeprodukten. Diese sind zwar chemisch verändert, stammen aber ursprünglich aus der Kokosnuss und übernehmen dort pflegende, schäumende oder emulgierende Funktionen.
Kokos-Power für dein Haar: Die Vorteile und worauf du unbedingt achten solltest
Die Vorteile von Kokosöl liegen vor allem in seiner Fähigkeit, tief in den Haarschaft einzudringen und dort Feuchtigkeit zu binden. Es schützt das Haar vor Proteinverlust, macht es geschmeidig und verleiht natürlichen Glanz. Besonders Menschen mit trockenem, dickem oder lockigem Haar berichten von positiven Effekten. Auch bei trockener oder gereizter Kopfhaut kann das Öl beruhigend wirken, da es anti-mikrobielle Eigenschaften besitzt. Aber Achtung: Es kann auch das Haar austrocknen und sollte vorsichtshalber in seiner reinen Form nur in Kombination mit anderen Ölen wie Sesam-, Sonnenblumen-, Haselnuss oder Jojobaöl angewandt werden.
Kokosöl besitzt eine fettähnliche Struktur, die der des Haares ähnelt. Dadurch haftet es besonders gut an der Haarfaser und kann kleine Schäden wie Risse oder spröde Stellen auffüllen. Diese Eigenschaft macht Kokosöl zu einem beliebten Inhaltsstoff in Haarmasken: Es bildet eine feine, nicht fettende Schutzschicht auf dem Haar, die es vor äußeren Einflüssen schützt und für natürlichen Glanz sorgt. Besonders bei Frizz und Haarbruch kann der Einsatz von Kokosöl sinnvoll sein.
Allerdings reagiert nicht jedes Haar gleich gut auf reines Kokosöl. Die Wirkung hängt maßgeblich von der sogenannten Porosität deines Haares ab, d.h. wie gut dein Haar Feuchtigkeit und Pflegeprodukte aufnehmen kann.
Hochporöses Haar (z. B. durch chemische Behandlungen geschädigtes oder stark gelocktes Haar) profitiert besonders von Kokosöl, da es hilft, die Feuchtigkeit im Haar zu halten und die Struktur zu stabilisieren.
Niedrig poröses Haar hingegen neigt dazu, Öle schlechter aufzunehmen. Hier kann Kokosöl eher aufliegen, anstatt einzuziehen – und so den natürlichen Feuchtigkeitsaustausch behindern.
Daher ist Kokosöl nicht für jeden Haartyp ideal. Feines oder schnell fettendes Haar kann durch das schwere Öl beschwert werden und strähnig wirken. Außerdem lässt es sich oft nur schwer auswaschen, manchmal sind mehrere Haarwäschen nötig, was die Kopfhaut zusätzlich strapazieren kann. In manchen Fällen kann Kokosöl auch die Poren verstopfen oder zu Hautirritationen führen.
Wer das Pflegegefühl und den Duft von Kokosnussöl liebt, aber reines Öl vermeiden möchte, findet zahlreiche Alternativen: Leave-in-Sprays mit Kokosextrakten, cremige Texturen mit kokosbasierten Öle oder silikonfreie Feuchtigkeitsmasken mit Kokosnussmilch. Diese Produkte bieten die Vorzüge des Kokosöls, sind oft leichter in der Textur und besser auf verschiedene Haartypen abgestimmt.
Kokosöl ist ein vielseitiger Helfer in der Haircare. Reines Kokosöl sollte jedoch bewusst und individuell eingesetzt werden. Wer es richtig dosiert und auf die Bedürfnisse seines Haars achtet, kann von seinen natürlichen Wirkstoffen durchaus profitieren, ob pur oder in Form moderner Haarpflegeprodukte.

Unser Haircare Experte
Björn Hartung, Friseur und Hairstylist
Björn bringt über 25 Jahre Erfahrung in Cut, Color und Care mit. In seinem Düsseldorfer Salon „Stresemann“ stylt, färbt und schneidet er seit mehr als 17 Jahren. Er schenkt seinen Kund*innen nicht nur neue Looks, sondern auch ein neues Lebensgefühl. Haircare ist seine Leidenschaft: Was einst als klassisches Handwerk begann, wurde zu einer Berufung, die weit über Schere und Föhn hinausgeht. Neben seinem Beruf unterstützt er Menschen als Breathwork-Experte dabei, ihre innere Balance zu finden.
Weitere Beauty-Themen
Literaturangaben:
[1]: Wallace, T. C. (2019). Health Effects of Coconut Oil—A Narrative Review of Current Evidence. Journal of the American College of Nutrition, 38(2), 97–107.
[2]: Kaushik, V., Kumar, A., Gosvami, N. N., Gode, V., Mhaskar, S., & Kamath, Y. (2022). Benefit of coconut-based hair oil via hair porosity quantification. International Journal of Cosmetic Science, 44(3), 254–264.











