
Retinal: Die verträglichere Alternative zu Retinol?
Retinal, auch als Retinaldehyd bekannt, gilt Hautpflege als besonders wirksames Vitamin-A-Derivat. Ob bei Unreinheiten, Fältchen oder Pigmentstörungen: Wie auch Retinol kann Retinal die Haut sichtbar verbessern. Im Vergleich zu Retinol soll Retinal schneller, effektiver und verträglicher wirken, doch was sagen Theorie und Praxis – ist Retinal tatsächlich das “bessere” Retinol?
Informationen geprüft und erstellt in Kooperation mit der Biochemikerin Dr. Sarah Schunter aus München.
Inhalte im Überblick
Kurz & knapp: Retinal
Inhaltsstofflisten-Name (INCI): Retinal
Wirkung: regenerierend, hauterneuernd, festigend, hauttonausgleichend, wirksam bei Unreinheiten und Akne
Anwendungsempfehlung: in Seren und Emulsionen
Hauttypen: geeignet für alle Hauttypen, insbesondere bei Zeichen von (vorzeitiger) Hautalterung, Pigmentflecken oder unreiner Haut
Was ist Retinal?
Retinal (Retinaldehyd) ist eine Form von Vitamin A und gehört somit zur Familie der Retinoide – den Vitamin-A-Derivaten. Vitamin A ist ein essenzieller Nährstoff für die Hautgesundheit: Es reguliert die Zellteilung, unterstützt die Regeneration der Haut und fördert die Bildung von Kollagen. In der Hautpflege wird Vitamin A gezielt zur Behandlung von Fältchen, Akne, lichtbedingter Hautalterung und Pigmentstörungen (Pigmentflecken, Pickelmale) eingesetzt.
Retinal gilt dabei als besonders wirksame Form des Vitamins, da es die direkte Vorstufe von Retinsäure ist und nur einen Umwandlungsschritt zur biologisch aktiven Wirkform von Vitamin A benötigt. Im Vergleich: Retinol durchläuft im Körper zwei Umwandlungsschritte, bevor es zur aktiven Form gelangt. Das macht Retinal theoretisch effektiver und schneller wirksam als Retinol. Doch um die Wirksamkeit eines Retinoids in Hautpflegeprodukten zu bewerten, kommt es nicht nur auf die Art des verwendeten Vitamin-A-Derivats an, sondern auch auf dessen Einsatzkonzentration, Formulierung und Einbettung in das fragliche Produkt. Mehr dazu auch im Absatz “Retinol oder Retinal: Was ist besser?”.
Wie wirkt Retinal auf die Haut?
Retinal gilt als eines der potentesten kosmetisch zugelassenen Retinoide. Seine Wirkung beruht, wie bei allen Vitamin-A-Derivaten, auf der Umwandlung in die aktive Wirkform Retinsäure. Die klinisch gut dokumentierte Wirksamkeit von Retinoiden in der Hautpflege geht vor allem auf Retinol zurück, zu dem es die meisten Studien gibt. Da Retinal im Stoffwechselweg näher an der aktiven Form liegt, lassen sich viele Effekte von Retinol auf Retinal übertragen. Die Beobachtungen aus der Praxis bestätigen diese Annahme.
Zu den gut dokumentierten Wirkungen von Retinoiden, insbesondere Retinol und Retinal, gehören:
Faltenreduktion und Anti-Aging: Retinoide können sichtbare Zeichen der Hautalterung reduzieren.
Pigmentregulation: Hyperpigmentierungen und Pickelmale (postinflammatorische Hyperpigmentierungen) können in ihrem Erscheinungsbild gemildert werden.
Stärkung der Hautstruktur: Retinoide fördern die Neubildung von Kollagen und Elastin, was die Hautstruktur festigt und die Haut elastisch hält.
Zellerneuerung: Durch die Förderung der Hauterneuerung (Desquamation) wird das Ablösen abgestorbener Hautzellen unterstützt und die Bildung neuer Zellen angeregt.
Antioxidative Wirksamkeit: Retinoide wirken antioxidativ und schützen vor freien Radikalen, die durch UV-Strahlung, Stress, Entzündungen oder Umweltbelastungen in der Haut entstehen können.
Feuchtigkeitsbalance und Schutzfunktion: Vitamin A stärkt die Hautbarriere, schützt vor dem Austrocknen und kann durch seine regulierende Wirkung auch vor mikrobiellen Infektionen schützen.
INFOBOX
Weshalb Retinol und Retinal bei unreiner Haut und Akne wirksam sind
Retinol und Retinal zählen zum Goldstandard bei Akne und unreiner Haut, weil sie gleich mehrere der zu Grunde liegenden Ursachen adressieren:
Normalisierung der Verhornung
Bei Akne ist die natürliche Abschuppung der Haut gestört, abgestorbene Hautschüppchen verstopfen die Poren. Retinal fördert die Desquamation (Ablösung abgestorbener Hautzellen) und beugt der Verhornungsstörung vor.
Regulierung der Talgproduktion
Übermäßige Talgproduktion begünstigt verstopfte Poren und damit verbundene Entzündungen. Retinoide wirken talgreguliert und tragen dazu bei, die Poren freizuhalten.
Antibakterielle Wirkung
Retinal besitzt antibakterielle Wirkung, besonders auch gegenüber Cutibacerium acnes, das bei der Entstehung von Akne eine zentrale Rolle spielt.
Milderung von Aknenarben
Durch die Anregung der Kollagenbildung unterstützt Retinal die Regeneration der Haut und kann Aknenarben reduzieren.
Entzündungshemmung
Entzündliche Prozesse in der Haut werden durch Retinoide beeinflusst. Dadurch klingen Rötungen, Entzündungen und Pusteln schneller ab – auch postinflammatoische Pickelmale sind dadurch oftmals weniger akzentuiert.
Hautpflege mit Retinal
Produkte mit Retinal sind meist in Form von Seren oder Emulsionen erhältlich. Die typischen Einsatzkonzentrationen von Retinal liegen zwischen 0,05 und 0,2 %. Auch wenn das auf den ersten Blick niedrig erscheinen mag: Retinal ist ein sehr potenter Wirkstoff, der bereits in niedrigen Konzentrationen Effektivität zeigt. Zudem ist bei der Anwendung von Retinal und Retinol eine konsequente und langfristige Anwendung ein weiterer Schlüssel zum Erfolg. So kann auch die Anwendung niedriger Konzentrationen durch regelmäßige Anwendung sichtbare Effekte erzielen.
Es müssen also nicht immer hohe Konzentrationen sein, die den vermeintlich besten Effekt erzielen – zumal hohe Konzentrationen an Retinol oder Retinal auch häufig mit Irritationen oder Reizungen einhergehen können.
Retinalseren
Anwendungstipps für Retinal
Retinal zählt zu den potentesten Wirkstoffen in der Hautpflege. Doch wie so oft: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Startest du zu schnell oder zu hochdosiert mit Retinal, könnte es dir deine Haut eventuell übelnehmen: Rötungen, Irritationen oder Schuppungen können auftreten, wenn du zu schnell zu viel Retinal verwendest.
Doch kein Grund, Angst vor Retinal oder Retinol zu haben – im Gegenteil! Richtig angewendet können Retinoide dein Hautbild positiv beeinflussen. Wenn du bislang noch nie Retinal verwendet hast, helfen dir diese Tipps zum Einstieg.
Retinal: Tipps für den Einstieg in die Hautpflege
Langsam starten und Anwendung je nach Konzentration und Hautbedürfnis nur schrittweise steigern. Hochprozentige Seren können 1-2x die Woche genutzt werden, Seren oder Emulsionen mit niedrigen Konzentrationen auch häufiger, je nach Verträglichkeit.
Wenn du besonders langsam starten möchtest: Nutze zunächst eine mit Retinal angereicherte Feuchtigkeitscreme. Da die Retinalkonzentrationen in Cremes oftmals niedriger angesetzt sind als in Seren, bieten sie einen guten Einstieg, um langsam eine Toleranz aufzubauen.
Nutze dein Retinalserum abends nach der Reinigung und vor deiner Feuchtigkeitspflege.
Bei besonders empfindlicher Haut bietet es sich an, das Retinalserum mittels “Sandwich-Methode” aufzutragen: Trage hierbei nach der Reinigung erst eine Feuchtigkeitspflege auf, nutze dann das Retinal-Serum und schließe anschließend die Routine mit einer weiteren Schicht Feuchtigkeitspflege ab.
Schütze tagsüber die Haut mit einer Sonnencreme (mind. SPF 30).
Retinoide lassen sich theoretisch auch morgens anwenden, passen aber meist besser in die Abendroutine. Wenn du morgens beispielsweise vermehrt auf Vitamin C, Peptide oder Hyaluronsäure setzen möchtest, wäre die Routine am Morgen sonst schnell mit zu vielen Produkten überladen. Zudem sind Retinoide lichtempfindlich und können unter UV-Strahlung zersetzt werden – praktikabler für Retinoide ist also der Abend. Doch wenn es dir morgens besser passt, kannst du Feuchtigkeitscremes oder Seren mit Retinal auch tagsüber nutzen. Aber nur darauf, einen Sonnenschutz zu tragen, das schütztnicht nur deine Haut, sondern auch das Retinoid.
Feuchigkeitscremes mit Retinal
Für wen eignet sich Retinal?
Retinal ist ideal für:
Haut, die Zeichen von (vorzeitiger) Hautalterung zeigt: Fältchen, Pigmentflecke, Verlust von Elastizität und Spannkraft
Unreine Haut, auch bei Erwachsenen
Pigmentflecken und postinflammatorische Hyperpigmentierungen (Pickelmale)
Haut mit grober Textur und großen Poren
WICHTIG
Wenn du empfindliche Haut, eine ausgeprägte Rosacea oder Neurodermitis hast, kann es sinnvoll sein, auf Retinal zu verzichten oder es nur mit Vorsicht und selten zu nutzen. In der Schwangerschaft und Stillzeit darf Retinal – wie alle Retinoide – nicht angewendet werden.
Retinol oder Retinal: Was ist besser?
Die Frage, ob Retinol oder Retinal besser ist, lässt sich nicht pauschal beantworten – auch wenn es auf beim Blick auf die Wirksamkeit so scheinen mag. Isoliert betrachtet, also rein bezogen auf die chemische Struktur und die Umwandlung im Körper, gilt Retinal als die potentere Form: Es benötigt nur einen Umwandlungsschritt zur aktiven Retinsäure, während Retinol zwei Schritte durchlaufen muss. Aus diesem Grund wird Retinal häufig als wirksamer eingestuft.
Was beeinflusst die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Retinal?
Doch potenter heißt nicht automatisch besser – und auch nicht automatisch verträglicher. In kosmetischen Formulierungen spielen zahlreiche weitere Faktoren eine Rolle, die sowohl die tatsächliche Wirksamkeit als auch die Verträglichkeit eines Retinol- oder Retinalproduktes maßgeblich beeinflussen:
Formulierung und Basis
Die Verfügbarkeit und die Hautverträglichkeit eines Vitamin-A-Derivats hängen stark von der umgebenden Rezeptur ab. Pflegende, feuchtigkeitsspendende oder barrierestärkende Inhaltsstoffe können die Haut widerstandsfähiger machen und Irritationen abmildern. Außerdem können beispielsweise begleitende Inhaltsstoffe die Aufnahme von Retinal fördern, während andere die Aufnahme einschränken – wie direkt Retinal auf die Haut trifft wirkt sich auch auf die Verträglichkeit aus: Je direkter, desto intensiver. Je verzögerter, desto verträglicher.
Verkapselung
Retinoide können entweder in Reinform oder verkapselt verarbeitet werden. Verkapselte Varianten setzen den Wirkstoff langsamer und kontrollierter frei, was die Haut schont und die Verträglichkeit verbessert. Unverkapselte Retinoide wirken oft direkter, können aber, je nach Konzentration und Hautzustand, auch schneller irritieren. Somit lässt sich festhalten: Eine Verkapselung kann sowohl Retinol als auch Retinal deutlich verträglicher machen.
Konzentration
Die eingesetzte Wirkstoffmenge ist entscheidend. Ein hochkonzentriertes Retinalprodukt kann in der Praxis deutlich stärker und potentiell auch reizender wirken als ein äquivalent dosiertes Retinolprodukt. Umgekehrt kann Retinal aufgrund seiner höheren biologischen Aktivität bereits in geringen Konzentrationen effektiv sein, was sich positiv auf die Verträglichkeit auswirken kann.
Hauttyp und Hautzustand
Je robuster und stabiler die Hautbarriere, desto besser werden auch hochkonzentrierte Retinoide toleriert. Sensible oder barrieregeschädigte Haut reagiert hingegen schneller – selbst auf niedrige Konzentrationen. Eine durchlässige Hautbarriere lässt Wirkstoffe tiefer und schneller eindringen, was die Wirksamkeit erhöht, aber auch das Risiko für Irritationen. Deshalb hängt die Verträglichkeit auch stets vom Hauttyp und Hautzustand ab.
INFOBOX
Ist Retinal verträglicher als Retinol?
Auch wenn du vielleicht schon mal gelesen hast, dass Retinal verträglicher ist als Retinol – so einfach und absolut lässt sich das nicht immer sagen. Doch warum werden Retinalseren dann häufig als besonders verträglich vermarktet? Meist liegt das daran, dass Retinal aus Gründen der Stabilität verkapselt wird. Allein diese Verkapselung kann schon entscheidend dazu beitragen, dass das Produkt deutlich verträglicher ist als ein unverkapseltes Retinolserum oder auch ein unverkapseltes Retinalserum.
Fazit: Retinal
Retinal ist chemisch betrachtet näher an der aktiven Wirkform und somit grundsätzlich potenter als Retinol – das ist korrekt. Für die praktische Wirksamkeit und Verträglichkeit eines Produktes ist dieser Fakt allein jedoch nicht ausschlaggebend. Bei zwei so eng verwandten Wirkstoffen wie Retinol und Retinal entscheiden stets Formulierung, Konzentration, Verkapselung, Hauttyp und individuelle Hautpflegeroutine darüber, welcher Wirkstoff besser geeignet ist.
Daher ist solltest du die Entscheidung, ob du lieber Retinal oder Retinol verwendest, nicht rein vom Wirkstoff, sondern den zuvor genannten Variablen abhängig machen. So wirst du ein Produkt finden, das in Verträglichkeit und Wirksamkeit am besten zu dir und deinen Pflegezielen passt.

Über die Autorin
Dr. Sarah Schunter, Biochemikerin
„Wer versteht, wie kosmetische Inhaltsstoffe agieren, setzt den ersten Schritt für eine wirksame Hautpflege“, sagt Biochemikerin Dr. S. Schunter. Als promovierte Biochemikerin entwirrt sie mit Vorliebe die oftmals kryptischen Inhaltsstofflisten von Hautpflegeprodukten: was steckt drin und wie wirkt es. Sie ist überzeugt: Mit diesem Wissen kann für jeden Hauttyp und jeden Hautzustand die richtige Pflege ermittelt werden.
















