
Locken stylen
Locken haben eine eigene Sprache. Doch nicht immer ist das Styling so einfach wie man es sich wünscht. Locken brauchen eine eigene Stylinglogik. Die gleichen Techniken kannst du auch bei künstlich erzeugten Locken anwenden und sie so jederzeit definiert und gepflegt aussehen lassen.
Informationen geprüft und erstellt in Kooperation mit Friseur und Hairstylist Björn Hartung aus Düsseldorf.
Inhalt im Überblick:
Kurz & Knapp
Locken folgen einer eigenen Stylinglogik, da ihre Form stark auf Feuchtigkeit, Pflege und Technik reagiert.
Naturlocken entstehen durch die Form des Haarfollikels und die innere Keratinstruktur und sind genetisch bedingt.
Nur etwa 15 Prozent der Europäer haben echte Naturlocken, weshalb viele Locken künstlich formen.
Lockiges Haar ist strukturell trockener, da Talg die Längen schlechter erreicht und gezielte Feuchtigkeitspflege benötigt wird.
Der richtige Lockenhaarschnitt beeinflusst Sprungkraft, Volumen und Form der Locken entscheidend.
Eine effektive Stylingroutine beginnt mit feuchtem Haar, feuchtigkeitsspendenden Produkten und gezieltem Einkneten.
Trocknung, optionaler Einsatz von Lockenstylern und ein leichtes Finish bestimmen Definition, Halt und Glanz der Curls.
Basic Curl Wissen: Wie entstehen eigentlich Locken?
Locken bewegen sich frei, verändern sich mit jeder Berührung und erzählen ihre ganz persönliche Beauty Story. Der Ursprung jeder Locke liegt tief in der Kopfhaut. Haarfollikel geben die Richtung vor. Sind sie rund, wächst das Haar eher glatt. Sind sie oval oder asymmetrisch, beginnt das Haar schon beim Austritt, sich zu wölben. Je nach Form des Haarfollikels wächst das Haar unterschiedlich:
Runder Follikel → glattes Haar
Ovaler bis gekrümmter Follikel → gewelltes bis lockiges Haar
Stark gekrümmter Follikel → Afrohaar
Das Haar verlässt die Kopfhaut also nicht gerade, sondern bereits mit einer vorgegebenen Krümmung.
Doch nicht nur die Form des Follikels bestimmt das Lockenbild, sondern auch die innere Chemie des Haares. Keratinstrukturen im Inneren des Haars bestimmen zusätzlich, wie stark sich diese Wölbung ausprägt. Im Keratin wirken drei Bindungsarten zusammen. Wasserstoffbrücken sind temporär und reagieren unmittelbar auf Feuchtigkeit und Hitze. Salzbrücken verändern sich abhängig vom pH-Wert. Die Disulfidbrücken hingegen sind stark, dauerhaft und für die grundlegende Haarstruktur verantwortlich. Bei lockigem Haar sind diese Disulfidbrücken asymmetrisch verteilt. Eine Seite des Haars zieht sich stärker zusammen als die andere und genau diese ungleiche Spannung sorgt dafür, dass sich das Haar krümmt und lockt.
Im Inneren des Haares, im sogenannten Cortex, setzt sich dieses Prinzip fort. Keratin und Proteine sind bei lockigem Haar nicht gleichmäßig verteilt. Eine Seite ist dichter und kompakter, die andere elastischer und dehnbarer. Diese innere Ungleichverteilung formt die charakteristische Spiralstruktur der Locke und verleiht ihr Sprungkraft, aber auch Sensibilität.
Gerade deshalb reagiert lockiges Haar besonders stark auf seine Umgebung. Feuchtigkeit löst die Wasserstoffbrücken im Haar, wodurch sich Locken verändern können. Bei kontrollierter Feuchtigkeit werden sie definierter und geschmeidiger. Trifft jedoch unkontrollierte Luftfeuchtigkeit auf ein ungeschütztes Haar, entsteht Frizz. Genau hier setzen Curl-Produkte und spezielle Stylingtechniken an. Sie arbeiten gezielt mit der Feuchtigkeit oder schirmen sie kontrolliert ab und bringen die natürliche Form der Locke zur Geltung.
Naturlocken entstehen also aus einem Zusammenspiel aus Genetik, strukturellen Verbindungen und äußeren Einflüssen wie Klima und Luftfeuchtigkeit. Diese Faktoren formen das individuelle Curl Pattern, das wie ein Fingerabdruck wirkt. Keine Locke gleicht der anderen und genau das macht das Naturlocken stylen so spannend. Tatsächlich sind natürliche Locken, sehr viel seltener als viele denken. Nur 15 % der Europäer haben echte Naturlocken. Für all diejenigen die sich Locken wünschen aber leider nicht mit natürlichen Locken gesegnet sind, gibt es verschiedene Methoden um die Haare curly umzuformen.
Die klassische Dauerwelle zählt zu den bekanntesten Techniken und ermöglicht dank spezieller chemischer Umformung langanhaltende Locken oder weiche Wellen, die sich dem persönlichen Stil perfekt anpassen. Moderne Varianten wie die digitale oder koreanische Dauerwelle sorgen für besonders natürliche Ergebnisse mit geschmeidiger Bewegung und definierter Struktur.
Für alle, die eine etwas mildere Veränderung wünschen, bieten sanftere Umformungsmethoden eine elegante Option, da sie das Haar weniger stark beanspruchen und dennoch wochenlang eine harmonische Welle bewahren können. Semi-permanente Behandlungen wie Keratin oder Proteinpflege in Kombination mit professioneller Wärmeformung unterstützen die natürliche Textur und verleihen dem Haar eine langanhaltende, geschmeidige Form.
„Hormonelle Veränderungen können das Haar nach einer Chemotherapie neu programmieren. Beim Nachwachsen entstehen oft überraschend Locken, weil sich Follikelform, innere Bindungen und Keratinverteilung verändern. Diese sogenannten Chemo Curls sind sensibler, trockener und brauchen gezielte Pflege, um ihre natürliche Bewegung zu entfalten.“
- Björn Hartung, Douglas Haircare Experte
Warum Locken besondere Pflege brauchen
Lockiges Haar ist von Natur aus trockener. Das liegt an seiner Struktur. Die natürlichen Fette der Kopfhaut gelangen nur schwer in die Längen. Auf dem Weg durch die geschwungenen Bahnen verlieren sie ihre Kraft und erreichen die Spitzen nicht vollständig. Genau deshalb fühlen sich Locken oft trockener an und benötigen eine Pflegeroutine, die intensiv Feuchtigkeit spendet, ohne die Haare zu beschweren.
Die Haaroberfläche einer natürlichen Locke ist von Natur aus anders aufgebaut als die von glattem Haar. Durch ihre ungleichmäßige Struktur liegt die Schuppenschicht nicht flach an, sondern ist leicht geöffnet. Dadurch wird das Licht nicht gleichmäßig reflektiert, das Haar wirkt matter und fühlt sich rauer an. Lockiges Haar verhakt sich schneller, ist anfälliger für Filzbildung und benötigt mehr Schutz, um geschmeidig zu bleiben.
Wenn diese Pflege fehlt, verliert die Locke ihre Elastizität. Sie wird stumpf, rau und frizzig. Ihr natürliches Bewegungsspiel geht verloren und das Locken stylen wird anstrengender. Die Definition löst sich auf und die Textur wirkt unruhig. Naturlocken stylen funktioniert nur, wenn das Haar ausreichend genährt ist. Pflege ist der Schlüssel für ein lebendiges Ergebnis.
Regelmäßige Pflege macht also den Unterschied! Wöchentliche Masken, Leave In Kuren und nährende Öle halten Locken geschmeidig. Seidenkissen für die Haare oder Seidenbonnets in der Nacht schützen vor Reibung und bewahren die Form. Wer seine Locken so pflegt, kann sie leichter stylen, seltener entwirren und häufiger strahlen lassen. Naturlocken stylen gelingt am besten, wenn die Haare ihre natürliche Feuchtigkeit behalten und die Struktur geschützt bleibt. Eine gestylte Locke lässt sich damit nicht vergleichen. Durch die Hitze eines Glätteisen oder Lockenstabs wird die Schuppenschicht kurzfristig geglättet. Die Haaroberfläche erscheint ebenmäßiger, reflektiert mehr Licht und wirkt sichtbar glänzender und weicher. Dieser Effekt sorgt für sofortige Geschmeidigkeit und Glanz, verändert jedoch nicht die natürliche Struktur des Haares, sondern überlagert sie temporär. Aber ist Pflege wirklich der einzig entscheidende Aspekt für tolle, definierte Curls, die sich einfach stylen lassen?
Naturlocken stylen: Der richtige Cut macht den Unterschied
Natürliche Locken bieten unendlich viele Stylingmöglichkeiten, doch ihre volle Wirkung entfalten sie erst, wenn Form und Struktur perfekt aufeinander abgestimmt sind. Kürzere Längen lassen Locken lebendig nach oben springen, da sie sich nicht unter ihrem eigenen Gewicht aushängen. Schulterlange Cuts eignen sich besonders für welliges oder feineres Haar, während eine üppige Lockenpracht auch in längeren Längen ihre ganze Ausdruckskraft zeigt. Sanfte Stufungen bringen zusätzliche Dynamik ins Haar und lassen jede Locke mit spürbarer Energie und Leichtigkeit wirken.
Daher ist es sinnvoll, für einen Lockenhaarschnitt gezielt einen Friseur zu wählen, der auf echte Curl Cuts spezialisiert ist. Dabei wird das Haar in der Regel zunächst im trockenen Zustand geschnitten, um genau zu sehen, wie jede einzelne Locke fällt. Die Locken werden einzeln definiert, anschließend wird das Haar gewaschen, gepflegt und erneut getrocknet. Erst dann erfolgt die Feinarbeit, um den Schnitt weiter zu personalisieren und sicherzustellen, dass der gewünschte Look auch im Alltag perfekt funktioniert.
Solche Curl Cuts nehmen mehr Zeit in Anspruch und werden entsprechend anders bepreist. Die Investition lohnt sich jedoch, denn hier wird das Haar konsequent nach seiner natürlichen Struktur behandelt und nicht pauschal wie beliebiges Haar. Das Ergebnis sind Locken, die ihre Form behalten, leichter zu stylen sind und ihre natürliche Schönheit sichtbar entfalten.
Locken stylen: Die richtige Step-by-Step Routine für perfekte Curls
Die Basis legen: Für ein sauberes Ergebnis beginnt das Naturlocken stylen direkt nach der Haarwäsche. Wasche dein Haar mit einem milden, feuchtigkeitsspendenden Shampoo und nutze einen Conditioner, der speziell für Locken formuliert ist. Spüle ihn gründlich aus, drücke das Wasser anschließend vorsichtig mit einem Handtuch oder einem Baumwollshirt aus und vermeide Reibung. Das Haar sollte noch spürbar feucht sein, damit Pflegeprodukte gut einziehen und die Lockenstruktur sich formen kann. In diesem Zustand sind Locken am aufnahmefähigsten für alles, was du im nächsten Schritt aufträgst.
Feuchtigkeit und Definition einarbeiten: Jetzt folgt der wichtigste Teil beim Naturlocken stylen. Trage ein Leave in Produkt, eine leichte Lockencreme oder ein definierendes Gel in die Längen und Spitzen auf. Arbeite es gleichmäßig ein, damit jede Strähne etwas davon abbekommt. Anschließend knetest du das Produkt von unten nach oben in das Haar ein. Durch dieses Einkneten bündelt sich die Lockenstruktur auf natürliche Weise, einzelne Strähnen finden zusammen und das Curl Pattern wird klarer sichtbar. Wenn du bestimmte Partien stärker betonen möchtest, kannst du einzelne Locken mit den Fingern nachdrehen, zum Beispiel im vorderen Bereich oder rund ums Gesicht. So entstehen definierte Spiralen, ohne dass der Look starr wirkt.
Einige Stylist*innen setzen bewusst auf das sogenannte Ausklopfen der Locken. Dabei werden die Haarbündel nicht in der Handinnenfläche geknetet, sondern sanft zwischen den Handflächen geklopft. So wird das Stylingprodukt gezielt in die Haarstruktur eingearbeitet, ohne die einzelnen Lockensträhnen aufzurauen. Im Vergleich zum klassischen Kneten bleibt die Bündelung definierter, die Oberfläche ruhiger und die Locke wirkt insgesamt gleichmäßiger und kontrollierter.
Trocknen mit System: Wie du deine Locken trocknen lässt, entscheidet stark über das Endergebnis. Beim Naturlocken stylen hat Lufttrocknen den Vorteil, dass die Haarstruktur besonders natürlich bleibt. Forme das Haar dafür noch einmal kurz mit den Händen und lasse es dann in Ruhe. Wenn du mehr Volumen möchtest oder weniger Zeit hast, ist ein Diffusor ideal. Stelle den Föhn auf eine niedrige Temperatur und mittlere Luftstufe, lege einzelne Partien in den Diffusor und führe ihn langsam Richtung Ansatz. Arbeite in Abschnitten, bis das Haar vollständig trocken ist. So entstehen definierte Locken mit mehr Fülle, ohne die Struktur aufzurauen.
Expert Tip: Auch die klassische Trockenhaube unterstützt das Lufttrocknen durch gleichmäßige, sanfte Wärme und hilft Locken, ihre Form kontrolliert zu entwickeln. Beim Friseurbesuch lohnt es sich nachzufragen, ob die Locken unter der Haube trocknen dürfen, während sie zwischendurch behutsam geknetet oder geklopft werden. So trocknen sie schonend, behalten ihre Definition und gewinnen an Spannkraft.
Lockenstyler für zusätzliche Formen nutzen: Wenn du deinen Look variieren oder bestimmte Bereiche gezielt optimieren möchtest, kommt der Lockenstyler ins Spiel. Er eignet sich besonders, um Lücken im Lockenbild auszugleichen oder Naturlocken zusätzlich zu verfeinern. Wichtig ist, dass das Haar komplett trocken ist und mit Hitzeschutz vorbereitet wurde. Teile das Haar in größere Sektionen ein und wähle einzelne Strähnen aus, die du definieren möchtest. Je dünner die Strähne, desto präziser wird die Locke. Wickle sie gleichmäßig um den Lockenstyler, halte sie kurz und löse sie wieder. Lass jede Strähne in Ruhe auskühlen, bevor du sie anfasst. So bleibt die Form stabil und fügt sich harmonisch in deine natürliche Lockenstruktur ein.
Expert Tip: Für definierte Locken werden bevorzugt sehr schmale Curler verwendet. Nach dem Auskühlen wird die Locke sanft gedehnt, wodurch sie lässig fällt und natürlich wirkt.
Finish für Glanz und Halt: Zum Abschluss kannst du ein Leave In Produkt mit natürlichen, wasserlöslichen Silikonen einarbeiten. Das gibt Glanz, reduziert Frizz und glättet die Oberfläche, ohne zu beschweren. Anschließend kannst du deine Locken mit den Fingern vorsichtig auflockern, um mehr Bewegung und Volumen zu erzielen. Verzichte auf Bürsten oder Kämme, damit die Bündelung erhalten bleibt. Wenn du dir zusätzlichen Halt wünschst, kannst du ein leichtes Haarspray aus etwas Abstand aufbringen.
"Der virale Locken-Hack 2025 war Gleitgel als Stylingprodukt. Trotz anfänglicher Kritik zeigte sich schnell: Das silikonbasierte Gel schadet dem Haar nicht, solange es regelmäßig gründlich ausgewaschen wird. Im Gegenteil, es versiegelt die Haaroberfläche so effektiv, dass Luftfeuchtigkeit nicht mehr eindringen kann und die Locken sichtbar weniger krausen. Es gibt mittlerweile aber auch Produkte, die genau diesen Effekt imitieren, damit man um das Gleitgel herum kommt."
- Björn Hartung, Douglas Haircare Experte

Unser Haircare Experte
Björn Hartung, Friseur und Hairstylist
Björn bringt über 25 Jahre Erfahrung in Cut, Color und Care mit. In seinem Düsseldorfer Salon „Stresemann“ stylt, färbt und schneidet er seit mehr als 17 Jahren. Er schenkt seinen Kund*innen nicht nur neue Looks, sondern auch ein neues Lebensgefühl. Haircare ist seine Leidenschaft: Was einst als klassisches Handwerk begann, wurde zu einer Berufung, die weit über Schere und Föhn hinausgeht. Neben seinem Beruf unterstützt er Menschen als Breathwork-Experte dabei, ihre innere Balance zu finden.
Weitere Haarthemen
Literaturangaben:
[1]: Medland, Sarah & Nyholt, Dale & McEvoy, Brian & McRae, Allan & Zhu, Gu & Ferreira, Manuel & Wright, Margaret & Henders, Anjali & Campbell, Megan & Duffy, David & Hansell, Narelle & Macgregor, Stuart & Slutske, Wendy & Heath, Andrew & Montgomery, Grant & Martin, Nicholas. (2009). Common Variants in the Trichohyalin Gene Are Associated with Straight Hair in Europeans. American journal of human genetics. 85. 750-755.
[2]: Elsabe Cloete, Nonhlanhla P. Khumalo, Malebogo N. Ngoepe; The what, why and how of curly hair: a review. Proc. A 1 November 2019; 475-500.













