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Nahaufnahme einer Frau mit nassen, braunen Haaren, die über ihre Schulter fallen, und einem goldenen, dreieckigen Ohrring.

Sind Silikone schlecht für die Haare?

Silikone spalten die Haarwelt: Für die einen sind sie das Geheimnis für seidige, geschmeidige Längen, für die anderen ein unsichtbarer Film, der das Haar auf Dauer schädigt. Doch was steckt wirklich dahinter?


Informationen geprüft und erstellt in Kooperation mit Friseur und Hairstylist Björn Hartung aus Düsseldorf.

Kurz & Knapp

  • Silikone sind synthetische Polymere, die sich als glatter, flexibler Film um die Haaroberfläche legen und Feuchtigkeit einschließen.

  • Sie wirken nicht im Inneren des Haars, sondern verbessern das Finish: mehr Glanz, weniger Frizz, einfacheres Styling.

  • Besonders strapaziertes, trockenes, krauses oder coloriertes Haar profitiert von Silikonen, da sie Spliss vorbeugen und die Cuticula schützen.

  • Es gibt wasserlösliche und nicht wasserlösliche Silikone, flüchtige und nicht flüchtige Silikone.

  • Für feines oder schnell fettendes Haar können Silikone dagegen nachteilig sein, weil sie beschweren und Volumen nehmen können.

  • Silikone sind nicht grundsätzlich „schlecht“: Sie sind weder giftig noch dauerhaft schädlich fürs Haar – entscheidend ist, ob der Haartyp von ihren Vorteilen profitiert.

Sind Silikone schlecht für die Haare: Mythen, Fakten und die Wahrheit für gesundes Haar

Wir wünschen uns alle gepflegtes, glänzendes Haar und greifen dafür zu allen möglichen Produkten mit vielen Inhaltsstoffen, die tolle Wirkversprechen machen. Kaum ein Inhaltsstoff polarisiert dabei so sehr wie Silikone. In der Beauty-Welt gelten sie für die einen als wahres Wundermittel, das selbst strapazierte Längen sofort seidig und geschmeidig wirken lässt. Man findet sie in Shampoos, Conditioner und Spülungen, Haarölen und Stylingprodukten., als ultimative Helfer für eine glattere und geschmeidigere Haarstrutkur. Für andere sind sie ein absolutes No-Go, weil sie angeblich das Haar „zukleistern“ und auf Dauer mehr schaden als nützen. Wie so vieles im Leben, ist auch die Rolle der Silikone in der Haarpflege nicht nur schwarz-weiß und etwas komplexer, als es vielleicht auf den ersten Blick erscheinen mag. 

Was sind Silikone und wie wirken sie auf das Haar

Um diese Frage zu beantworten, lohnt sich ein genauer Blick auf ihre chemische Struktur, ihre Wirkung auf das Haar und darauf, für wen sie sinnvoll sind und wann man besser darauf verzichtet. 

Silikone sind synthetische Polymere, die aus Silizium, Sauerstoff, Kohlenstoff und Wasserstoff bestehen. Im Grunde sind Silikone einfach farblose Kunststoffe, die meist aus Erdöl gewonnen werden. Ihr erkennt sie an den Endungen „-cone“ oder „-oxane“ in der INCI.  In der Kosmetik kommen vor allem zwei Formen vor: nicht wasserlösliche Silikone) und wasserlösliche. Ihre chemische Struktur macht sie extrem glatt und flexibel. Daher sind sie ideal, um raue Haaroberflächen zu ummanteln. Jedes Haar besteht außen aus einer Schuppenschicht (Cuticula) aus überlappenden Keratinschuppen. Bei strapaziertem Haar stehen diese Schuppen ab, was zu Frizz in den Haaren, Brüchigkeit und Glanzverlust führt. Die Kettenstruktur der Silikonmoleküle ist extrem flexibel und gleitfähig. Dadurch legen sie sich wie winzige, glatte Plättchen über die aufgeraute Schuppenschicht des Haares. Der dünne, hydrophobe Silikonfilm glättet die Haare und schließt Feuchtigkeit im Inneren ein.

Diese „ummantelnde“ Wirkung können die Silikone ausüben, weil sie nicht in das Innere des Haarschaftes dringen, sondern sich nur an der Oberfläche an das Haar lagern. Anders als Proteine und Lipide wirken sie nicht auf den Aufbau des Haars, sondern optimieren sozusagen nur das Finish. Diese Versiegelung verhindert nicht nur das Feuchtigkeit aus dem Haar entweichen kann, sondern reduziert auch die mechanische Reibung zum Beispiel beim Bürsten. Ok das hört sich doch alles super an, aber warum sind dann Silikone trotzdem manchmal im Verruf?

Silikone für die Haare: Fluch oder Segen?

Gerade bei beanspruchtem, trockenem oder coloriertem Haar können Silikone wahre Beauty-Helden sein. Sie versiegeln die Oberfläche, verhindern Spliss und machen das Styling einfacher. Besonders langes oder krauses Haar profitiert von der glättenden Wirkung, die Frizz reduzieren und das Haar bändigen kann. Aber gibt es auch negative Aspekte? Dies kommt auf die Art der Silikone an. Viele Silikone sind nicht wasserlöslich und lassen sich nicht einfach auswaschen. Mit der Zeit können sie sich schichtweise auf dem Haar ablagern, was „Build-up“ genannt wird. Das Haar wirkt dann zwar glänzend, fühlt sich aber schwer an, verliert Volumen und kann Pflegestoffe aus anderen Produkten schlechter aufnehmen. Vor allem für feines Haar ist dies besonders abträglich. Daher ist es vor allem wichtig zu wissen, dass nicht alle Silikone gleich gut für dein Haar sind. Wie bereits erwähnt gibt es zwei Arten von Silikonen für das Haar:

  • Nicht wasserlösliche Silikone wie Dimethicone, Dimethiconol, Cyclopentasiloxane und Phenyl Trimethicone  haften lange und sind nur mit Tiefenreinigungsshampoos vollständig zu entfernen.

  • Wasserlösliche Silikone wie Dimethicone Copolyol, Laurylmethicone Copolyol, PEG-Silikone (alle Silikone mit PEG als Präfix) und Trideceth-12 lassen sich problemlos ausspülen und verursachen kaum Ablagerungen.

Wenn dein Haar stark strapaziert ist, etwa durch Colorationen, Blondierungen, regelmäßiges Hitze-Styling oder häufiges Bürsten, können Silikone eine echte Rettung sein. Sie glätten aufgeraute Strukturen, versiegeln die Oberfläche und schützen die Längen vor weiteren Schäden. Auch bei krausem Haar bringen sie mehr Kontrolle und sorgen für ein gepflegtes, glattes Finish. Anders sieht es jedoch bei feinem, schnell fettendem oder ohnehin gesundem Haar aus: Hier ist der versiegelnde Effekt oft nicht nötig. Stattdessen können Silikone manchmal das Haar beschweren, Volumen nehmen und langfristig das Gefühl von Frische mindern. Wer zudem Wert auf natürliche Pflege legt und seine Haare lieber mit Nährstoffen aus Ölen oder Proteinen tiefenwirksam stärken möchte, ist mit silikonfreien Alternativen oder mit einer leichten Silikonmischung besser beraten.

Gibt es natürliche Silikone?

Im eigentlichen chemischen Sinn existieren keine natürlichen Silikone, da Silikone immer synthetisch auf Siliziumbasis hergestellt werden. Was jedoch gerne als „natürliche Alternative zu Silikonen“ bezeichnet wird, sind Wirkstoffe, die dem Haar ein ähnlich seidiges Finish verleihen, dabei aber aus pflanzlichen Ölen oder Zuckern gewonnen werden.

Zu den beliebtesten Inhaltsstoffen zählen reichhaltige Pflanzenöle und -buttern wie Kokosöl, Arganöl, Jojobaöl oder Sheabutter, die das Haar intensiv pflegen und ihm luxuriösen Glanz schenken. Ergänzt werden sie durch leichte Esteröle aus Zucker, Kokos- oder Rizinusöl, die weniger beschwerend wirken, sowie durch hydrolysierte Proteine aus Reis, Weizen oder Seide, die sich wie ein feiner Schutzfilm um jedes Haar legen. Auch innovative Verbindungen pflanzlichen Ursprungs, etwa Methosulfate aus Rapsöl, und moderne Biotech-Inhaltsstoffe wie Hemisqualan aus Zuckerrohr setzen neue Maßstäbe in der natürlichen Haarpflege.

Das führt zu geschmeidigem Haar, das frei von schwerem Build-up bleibt und sich mit milden Shampoos ganz einfach auswaschen lässt. Gleichzeitig überzeugen diese Inhaltsstoffe durch ihre Umweltfreundlichkeit und biologische Abbaubarkeit und versorgen das Haar zusätzlich mit wertvollen Nährstoffen wie Fettsäuren, Vitaminen und Antioxidantien.

Natürlich haben diese Alternativen auch Grenzen: Sie schützen weniger intensiv vor Hitze, die Glättung ist sanfter und die Wirkung etwas kürzer, weshalb eine regelmäßige Anwendung empfehlenswert ist. Bei feinem Haar kann zudem ein zu reichhaltiges Öl für ein beschwerendes Gefühl sorgen.

Kurz gesagt: Synthetische Silikone stehen für sofortige, hochwirksame Ergebnisse, jedoch mit dem Risiko von Ablagerungen. Natürliche Alternativen hingegen umhüllen das Haar mit sanfter Pflege, nachhaltiger Leichtigkeit und einem Gefühl von natürlicher Schönheit, auch wenn sie beim Hitzeschutz und Frizz-Control nicht ganz die Performance von Dimethiconen & Co. erreichen.

" Pflanzliche Öle wie Arganöl, Kokosnussöl oder Jojobaöl können die Haaroberfläche ebenfalls glätten und Glanz verleihen, allerdings ohne den langanhaltenden Film der Silikone. Bei manchen Ölarten wie zum Beispiel Kokosnussöl, sollte man darauf achten, dass sie die Haare nicht zusätzlich austrocknen."

- Björn Hartung, Douglas Haircare Experte

Silikone fürs Haar: Der Unterschied zwischen flüchtigen und nicht flüchtigen Silikonen

Flüchtige Silikone wie Cyclopentasiloxane (D5) oder Cyclohexasiloxane (D6) verdampfen nach dem Auftragen relativ schnell. Sie werden häufig als Trägerstoffe für andere Pflegestoffe eingesetzt, hinterlassen kaum Rückstände und sorgen für ein leichtes, seidiges Haargefühl. Ihr Vorteil liegt darin, dass sie das Haar nicht beschweren und sofortigen Glanz verleihen. Dadurch sind sie besonders für feines oder schnell fettendes Haar geeignet, das geschmeidiger wird und sich leichter kämmen lässt. Der Nachteil ist jedoch, dass flüchtige Silikone keinen nachhaltigen Schutz bieten und sich daher weniger für stark strapaziertes oder sehr trockenes Haar eignen.

Nicht flüchtige Silikone wie Dimethicone, Amodimethicone oder Dimethiconol haften länger an der Haaroberfläche. Sie bilden einen Schutzfilm um die Cuticula, der mechanische Schäden reduziert und Feuchtigkeitsverlust vorbeugt. Dadurch schützen sie das Haar zuverlässig vor Hitze, UV-Strahlen und Reibung, reduzieren Frizz und glätten die Haarstruktur. Sie eignen sich vor allem für dickes, krauses, chemisch behandeltes oder stark geschädigtes Haar. Gleichzeitig bergen sie aber das Risiko von Ablagerungen: Das Haar kann stumpf oder schwer wirken, Pflegewirkstoffe gelangen schlechter ins Innere und zur gründlichen Entfernung sind oft sulfathaltige Shampoos notwendig.

  • Flüchtige Silikone: Für feines, leicht fettendes Haar, wenn Leichtigkeit und Sofort-Glanz im Vordergrund stehen.
    Ungeeignet für: stark geschädigtes oder sehr trockenes Haar


  • Nicht flüchtige Silikone: Für dickes, trockenes, krauses oder strapaziertes Haar, wenn langfristiger Schutz und Glättung gewünscht sind.
    Ungeeignet für: feines Haar oder Haar, das schnell beschwert wirkt

Und wie beantwortet man nun die Frage: Sind Silikone schädlich für das Haar? Mit einem beherzten Jein! Sie sind nicht wirklich schädlich per se, denn sie können dem Haar nicht nachhaltig schaden. Gleichzeitig sind sie aber auch kein Muss für jedes Haar und sollten nur angewendet werden, wenn dein Haar von den Vorteilen der Silikone profitieren kann, um ein Beschweren des Haares durch das Silikon Built-up zu vermeiden. Entscheidend ist, deinen Haartyp zu kennen und die Produkte bewusst auszuwählen. Für manche sind Silikone der schnelle Weg zu glänzendem Traumhaar, für andere sind sanfte, silikonfreie Alternativen die bessere Wahl. Wer auf besonders umweltfreundliche Produkte Wert legt, sollte lieber auf silikonfreie Alternativen setzen. Silikone sind zwar nicht schädlich für die Umwelt, müssen jedoch trotzdem aus dem Abwasser herausgefiltert werden. Je mehr Silikone im Wasser enthalten sind, desto kostspieliger und energieaufwendiger ist die Filterung in den Klärwerken. 

"Wer von silikonhaltigen Produkten auf silikonfreie Haarpflege umsteigt, sollte die gesamte Routine umstellen. So kann sich die alte Silikonschicht nicht erneut aufbauen. Mit einem tiefenreinigenden Shampoo dauert der Prozess etwa 2–3 Wochen. Ich habe grundsätzlich nichts gegen Silikone, im Salon erleichtern sie uns die Arbeit enorm und sorgen für den gewünschten kosmetischen Effekt, ohne das Haar dauerhaft zu belasten."

- Björn Hartung, Douglas Haircare Experte

Ein Mann mit Brille, Schnurrbart und grauem Hemd mit gekreuzten Armen, der selbstbewusst in die Kamera blickt.

Unser Haircare Experte

Björn Hartung, Friseur und Hairstylist

Björn bringt über 25 Jahre Erfahrung in Cut, Color und Care mit. In seinem Düsseldorfer Salon „Stresemann“ stylt, färbt und schneidet er seit mehr als 17 Jahren. Er schenkt seinen Kund*innen nicht nur neue Looks, sondern auch ein neues Lebensgefühl. Haircare ist seine Leidenschaft: Was einst als klassisches Handwerk begann, wurde zu einer Berufung, die weit über Schere und Föhn hinausgeht. Neben seinem Beruf unterstützt er Menschen als Breathwork-Experte dabei, ihre innere Balance zu finden.

Weitere Haarthemen

Quellenangaben:

[1]: Disapio,Al; Fridd, Petrina: Silicones: use of substantive properties on skin and hair, in: International Journal of Cosmetic Science, Vol. 10, Issue 2, S.75-89, 1988. 

[2]: Raquel de Melo Carvalho, Daniel Fernandes Melo, Awatef Kelati, Antonella Tosti; With or without Silicones? A Comprehensive Review of Their Role in Hair Care. Skin Appendage Disord 9 December 2025; 11 (6): 586–589.