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pH-Wert: Entscheidend für eine gesunde Haut

Der pH-Wert der Haut ist ein wichtiger, aber oft übersehener Faktor in der Hautpflege. Er beeinflusst die Schutzfunktion der Hautbarriere, die Mikrobiom-Balance und die Wirkung von Pflegeprodukten. Warum der pH-Wert für gesunde Haut so wichtig ist – und worauf du bei der Auswahl deiner Kosmetik achten solltest.

Informationen geprüft und erstellt in Kooperation mit der Biochemikerin Dr. Sarah Schunter aus München.

KURZ & KNAPP: PH-WERT

  • Definition: Der pH-Wert ist das Maß für den Säuregrad und wird mit einer Skala von 0 (sauer) bis 14 (basisch) ausgedrückt

  • Hautphysiologischer pH-Wert: Liegt in Bereichen von pH 4,5–5,5 (leicht sauer)

  • Funktion: Schutzfunktion, Stabilisierung der Hautbarriere und des Mikrobioms

  • Empfehlung: pH-hautneutrale Produkte (pH 5–5,5) für tägliche Pflege

Was ist der pH-Wert?

Der pH-Wert (potentia Hydrogenii) ist ein Maß für den Säure- oder Basengehalt einer wässrigen Lösung und wird auf einer Skala von 0 (sauer) bis 14 (basisch/alkalisch) angegeben. Ein pH-Wert von 7 gilt als „neutral“. In der Kosmetik ist es entscheidend zu wissen, dass „pH-neutral“ (pH 7) nicht dasselbe bedeutet wie „pH-hautneutral“. Unsere Haut hat einen natürlichen, leicht sauren pH-Wert – dieser hautphysiologische pH-Wert liegt meist um die 5,5. Produkte mit einem pH-Wert von 7 wären für die Haut also bereits zu alkalisch.

Der natürliche pH-Wert der Haut

Die äußerste Schicht unserer Haut – die Hornschicht – ist mit einem dünnen Film aus Talg, Schweiß und abgestorbenen Hautzellen überzogen. Diese Fett-Wasser-Schicht, auch Säureschutzmantel genannt, schützt unsere Haut vor Keimen, Umweltreizen und Feuchtigkeitsverlust. Der pH-Wert dieses Films kann zwischen 4,0 und 6,9 liegen – individuell leicht unterschiedlich.

Dank einer gewissen Pufferkapazität ist die Haut in der Lage, vorübergehende Schwankungen des pH-Werts (etwa nach Anwendung eines Peelings oder einer Reinigung) zu kompensieren. Wird diese Kapazität jedoch überlastet – etwa durch wiederholte Anwendung ungeeigneter Produkte – kann der Säureschutzmantel gestört werden.

Warum der pH-Wert in der Hautpflege eine Rolle spielt

Ein stabiler pH-Wert unterstützt die Funktion der Hautbarriere, die Enzymaktivität in der Hornschicht, die Bindung von Feuchtigkeit sowie das Gleichgewicht des Hautmikrobioms. Ist der pH-Wert dauerhaft aus dem Gleichgewicht, können Irritationen, trockene Haut, Akne oder ein gestörtes Hautmikrobiom die Folge sein.

Aufgaben eines intakten Säureschutzmantels

  • Schutzfunktion

  • Pufferkapazität

  • Erhalt der gesunden Hautflora

  • Unterdrückung der Besiedlung mit hautfremden Keinem

Was den pH-Wert der Haut beeinflussen oder stören kann

  • Regelmäßiger Einsatz von alkalischen Seifen (pH 8–12)

  • Heißes Duschen oder zu häufiges Waschen

  • Hormonelle Schwankungen

  • Umweltfaktoren, z. B. trockene Winterluft

  • Körperrhythmus: Der pH-Wert steigt natürlicherweise zur Mittagszeit an

Welche pH-Werte haben Hautpflegeprodukte?

Der pH-Wert kann immer dann ermittelt werden, wenn das fragliche Pflegeprodukt als wässrige Lösung vorliegt. Bei folgenden Pflegeprodukten kann ein pH-Wert gemessen werden:

  • Reinigungsgele, Toner, Seren, Feuchtigkeitscremes mit Wasseranteil sollten idealerweise einen hautneutralen beziehungsweise hautphysiologischen pH-Wert aufweisen. Meist werden Produkte dieser Kategorie auf einen Wert von 5,5 eingestellt, um die Bedürfnisse der Haut zu respektieren.

  • Wässrige Vitamin-C-Seren mit reiner Ascorbinsäure sollten einen sauren pH-Wert unter pH 3,5 aufweisen. Erst dann entfalten Vitamin C Seren mit Ascorbinsäure einen Effekt auf die Haut.

  • Säurepeelings mit AHAs oder Salicylsäure, haben einen sauren pH-Wert. Dieser ist für die optimale Wirksamkeit des Peelings entscheidend und liegt für gewöhnlich unter pH 5.

  • Bestimmte Konservierungsmittel: Benötigen einen spezifischen pH-Bereich, um ihre antimikrobielle Wirkung zu entfalten

Kosmetische Formulierungen sind in der Regel gepuffert, was bedeutet, dass der pH-Wert des Pflegeproduktes bei korrekter Lagerung über die Zeit stabil bleibt und sich nicht ändert.

WICHTIG

Nicht immer lässt sich für Verbraucherinnen oder Verbraucher ermitteln, welchen pH-Wert Hautpflegeprodukte haben. Viele Hersteller weisen pH-Werte inzwischen aus – vor allem bei Produkten für sensible oder empfindliche Haut findet sich häufig der Zusatz “pH-hautneutral”. Das ist jedoch nicht zwangsläufig ein Merkmal für besondere Qualität oder fehlende Qualität. Es hängt immer vom jeweiligen Produkt ab, ob ein pH-hautneutraler Wert überhaupt umsetzbar ist. So haben beispielsweise Seifen von Haus aus einen sehr hohen pH-Wert und chemische Peelings oder wässrige Vitamin C Seren idealerweise einen niedrigen pH-Wert.

Produkte ohne pH-Wert

Produkte, die nicht auf Wasser basieren haben keinen pH-Wert. Dazu gehören Formulierungen auf Basis von Silikon (Dimethicone), Vaseline (Petrolatum) oder Öl – Pflanzenöle oder auch Neutralöle. Produkte ohne pH-Wert haben demnach auch keinen direkten Effekt auf den hauteigenen pH-Wert.

Sonderfall Seife: Seifen sind durch ihren chemischen Aufbau immer alkalisch – sie lassen sich nicht auf pH 5,5 einstellen. Feste Waschstücke gibt es aber dennoch, diese sind aber keine “echten Seifen”, sondern sogenannte Syndets.

Was passiert bei einem gestörten pH-Wert?

Ein gestörter Säureschutzmantel zeigt sich häufig anhand folgender Punkte:

  • Reizungen und Rötungen

  • Infektionen durch Bakterien

  • Austrocknung der Haut

  • Verschlechterung bestehender Hautkrankheiten wie Akne, Rosacea oder Neurodermitis

Beispiel: Nach der Anwendung einer alkalischen Seife (pH 8–12) kann die Haut bis zu 3 Stunden benötigen, um wieder ihren normalen pH-Wert zu erreichen. In dieser Zeit ist sie deutlich anfälliger für Schadstoffe, Allergene und Krankheitserreger.

Expert Tip

So schützt du deine Haut

  • Verwende Syndets statt Seifen – sie reinigen mild und hautschonend (hautphysiologischer pH ca. 5,5)

  • Meide sehr heißes oder häufiges Duschen

  • Setze auf pH-hautneutrale Pflegeprodukte

  • Unterstütze die Haut mit barrierefreundlichen Inhaltsstoffen wie Ceramiden, Natürlichen Feuchthaltefaktoren oder Glycerin.

Eine Frau mit langen braunen Haaren, gekleidet in einen schwarzen Blazer und ein schwarzes Oberteil, lehnt lächelnd an einer weißen Wand.

Über die Autorin

Dr. Sarah Schunter, Biochemikerin

„Wer versteht, wie kosmetische Inhaltsstoffe agieren, setzt den ersten Schritt für eine wirksame Hautpflege“, sagt Biochemikerin Dr. S. Schunter. Als promovierte Biochemikerin entwirrt sie mit Vorliebe die oftmals kryptischen Inhaltsstofflisten von Hautpflegeprodukten: was steckt drin und wie wirkt es. Sie ist überzeugt: Mit diesem Wissen kann für jeden Hauttyp und jeden Hautzustand die richtige Pflege ermittelt werden.

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